Kingfish: Das Koop-Experiment, das Genres neu mischt
Es gibt Spiele, die versuchen, zwei unterschiedliche Gaming-Welten zusammenzubringen – und meistens endet das in einem unausgeglichenen Chaos. Kingfish könnte anders sein. Das kommende Koop-Abenteuer wirft dich und deinen Partner in eine Situation, die auf den ersten Blick absurd klingt: Einer von euch baut eine Stadt auf dem Rücken eines gigantischen Fisches auf, während der andere den Fisch selbst steuert und gegen Feinde kämpft.
War das dein erster Gedanke? "Das kann ja nicht funktionieren." Genau das dachte ich auch – bis ich mir das Konzept näher angesehen habe. Kingfish ist nämlich nicht einfach eine wilde Mischung aus zwei unverbundenen Spielen. Es ist ein durchdachtes Experiment, das zeigt, wie asymmetrisches Koop-Gaming funktionieren kann, wenn die Perspektiven wirklich verschieden sind.
So funktioniert das geteilte Spielerlebnis
Stellen wir uns zunächst klar, was dich erwartet: Du sitzt mit deinem Koop-Partner vor dem gleichen Bildschirm oder verbunden online. Aber ihr seht nicht das gleiche Spiel.
Spieler 1 – der "Stadtplaner" – sieht ein klassisches Aufbauspiel. Deine Perspektive ist isometrisch oder ähnlich wie in Cities: Skylines. Du platzierst Gebäude, verwaltest Ressourcen, baust Infrastruktur auf und leitest die Entwicklung einer ganzen Zivilisation. Das ist deine Verantwortung: Während dein Partner kämpft, musst du sicherstellen, dass die Stadt funktioniert und wächst.
Spieler 2 – der "Fisch-Pilot" – spielt dagegen ein Action-Game im Hades-Stil. Dynamische Kämpfe, Ausweichmanöver, Special-Moves. Deine Aufgabe ist es, den Fisch zu steuern, Feinde zu bekämpfen und deine Verbündeten (die Stadt auf deinem Rücken) zu schützen. Du siehst die Welt aus einer völlig anderen Perspektive – vielleicht von unten, vielleicht von der Seite des Fisches aus.
Das ist das Genie des Designs: Ihr spielt nicht das gleiche Spiel, sondern zwei Spiele, die aber unmittelbar voneinander abhängen. Wenn der Fisch-Pilot in Kämpfe gerät, gerät auch die Stadt in Gefahr. Wenn die Stadt nicht floriert, hat der Fisch-Pilot weniger Ressourcen und Unterstützung.
Warum dieses Konzept funktioniert – und warum es riskant ist
Asymmetrisches Koop-Gaming ist nicht neu. Spiele wie A Way Out oder It Takes Two haben gezeigt, dass unterschiedliche Rollen reizend sein können. Kingfish geht aber weiter: Die Rollen sind nicht nur unterschiedlich in den Fähigkeiten, sondern in der gesamten Spielgenre.
Das schafft mehrere Vorteile:
Replayability für verschiedene Spielertypen: Du magst Strategie und Aufbau? Du kannst die Rolle des Stadtplaners übernehmen. Dein Partner liebt Aktion und Kämpfe? Perfekt für die Fisch-Pilot-Rolle. Beide haben Spaß, beide spielen das, das ihnen liegt.
Echte Abhängigkeit: Während in vielen Koop-Spielen jeder Spieler austauschbar ist, sind hier beide notwendig. Der Stadtplaner kann nicht die Kämpfe allein gewinnen, der Fisch-Pilot kann ohne funktionierte Stadt nicht lange bestehen. Das erzeugt echte Spannung und Zwänge.
Unterschiedliche Lernkurven: Neulinge können die Strategie-Seite spielen und lernen, während erfahrene Gamer die Action übernehmen. Das macht Kingfish potenziell zugänglicher.
AbER – und das ist ein großes Aber – das Konzept ist auch riskant. Was, wenn die eine Rolle deutlich weniger Spaß macht als die andere? Was, wenn die Abhängigkeit zu stark wird und ein Spieler sich verantwortlich fühlt, wenn es schiefgeht? Asymmetrisches Design kann schnell in Frustration umschlagen, wenn die Balance nicht stimmt.
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Was du von der Story und dem Setting erwarten kannst
Bisher wissen wir, dass ein riesiger Fisch die Basis deiner Zivilisation ist. Das klingt fantastisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein lebender Kontinent, der sich bewegt, kämpft und wächst.
Das erinnert an World of Warcraft und wie wichtig die Umwelt dort für das Gameplay ist. Aber Kingfish macht die Umwelt nicht nur wichtig – sie ist der Protagonist des Spiels. Der Fisch ist nicht bloß ein Level, er ist ein Charakter mit eigenen Zielen und Bedürfnissen.
Die Action-Komponente, die den Hades-Vergleich rechtfertigt, deutet darauf hin, dass Kingfish mit schnellen Kämpfen, Progressionen zwischen Runs und möglicherweise einem roguelike-Element arbeitet. Das würde Sinn machen: Jeder Kampf könnte eine neue Herausforderung sein, die auf einem anderen Teil des Fisches stattfindet, mit anderen Gegnern und Bedingungen.
Meine persönliche Einschätzung: Potenzial und Skeptizismus
Kingfish ist eines der interessantesten Koop-Konzepte, das ich in den letzten Jahren gehört habe. Es wagt etwas, das andere Studios vermeiden: echte asymmetrische Erfahrung statt bloß asymmetrische Fähigkeiten.
ABER: Solche Experimente sind schwer zu landen. Ich habe genug hybrid-Games gespielt, die großartig klingen, aber in der Praxis unausgeglichen sind. Der Schlüssel wird sein, wie die beiden Spielerfahrungen zusammenpassen. Wenn die Rhythmen nicht stimmen – wenn der Strategie-Spieler lange warten muss, während sein Partner kämpft, oder umgekehrt – ist das Projekt gescheitert.
Die Entwickler müssen auch entscheiden: Ist das ein Spiel, das man durchaus allein spielen kann (mit KI-Partner), oder braucht man wirklich einen Menschen am Controller? Das ist entscheidend für die Zugänglichkeit.
Positiv ist: Das Hades-Vergleich deutet darauf hin, dass der Action-Teil ernst gemeint ist. Hades hat bewiesen, dass roguelike-Action hohe Qualitätsstandards haben kann. Wenn Kingfish da anknüpft, könnte die Action-Seite wirklich befriedigend sein.
Meine Empfehlung für dich
Wenn du Koop-Spiele magst und dich von klassischen Konzepten gelangweilt hast, solltest du Kingfish auf deiner Radar haben. Das Spiel repräsentiert genau den Typ Innovation, den die Industrie braucht: gewagt, aber durchdacht.
Was du tun solltest: Schau dir Gameplay-Videos an, wenn sie verfügbar werden – und achte besonders darauf, wie die beiden Spieler interagieren. Funktionieren die Übergänge zwischen Action und Strategie? Fühlt sich das wie zwei Spiele an oder wie ein kohärentes Ganzes?
Und ganz wichtig: Wenn du dieses Spiel spielen möchtest, spiel es mit jemandem, der ähnlich intensiv spielen will wie du. Asymmetrische Koop-Games leben oder sterben mit der Chemie zwischen den Spielern. Mit dem richtigen Partner könnte Kingfish eines deiner liebsten Koop-Abenteuer werden. Mit dem falschen wird es schnell frustrierend.
Bist du bereit für ein Experiment? Dann könnte Kingfish genau dein Spiel sein.